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Siebenbuergen

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Deutsche Investoren mögen Hermannstadt

828 Firmen mit deutschem Kapital oder deutscher Kapitalbeteiligung waren am 30. Juni 2000 im Kreis Hermannstadt registriert. Sie haben zusammen 147 Milliarden Lei und 34 Millionen Dollar angelegt. Hinter Deutschland rangiert an zweiter Stelle Italien mit 153 Firmen; ihr Investitionsaufwand beträgt 81 Milliarden Lei und 8 Millionen Dollar. Es folgen Österreich mit 60, die Türkei mit 54 und die Vereinigten Staaten mit 51 Firmen.

Die Zahl der deutschen Investoren in Rumänien beläuft sich derzeit auf über 9.000. Größter deutscher Investor ist der Reifen-Riese Continental. Er wird in den nächsten Tagen Europas modernste Reifenfabrik im Wert von gut über 100 Millionen Mark in Temeswar eröffnen; die Fabrik schafft 1.000 neue Arbeitsplätze.

Hermannstädter Zeitung Nr. 1699/20. Oktober 2000


Hermannstadt - 100 Tage Administration Johannis

Der Bürgermeister zog erstmals Bilanz / Die Straßen sind besser, die Stadt ist reiner

So lange sie, als der eine noch Generalschulinspektor, der andere Straßenbaudirektor war, mit Anträgen beim Bürgermeisteramt anklopften, hätten sie wenig Erfolg gehabt. Es gäbe kein Geld, sei ihnen immer wieder gesagt worden. "Jetzt verteilen wir die Gelder, und siehe da, es klappt!"

Das sagen in etwa gleichlautend der Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis und sein Vize Gheorghe Tuluc. Die Stadt hat über die Sommerferien 7,5 Milliarden Lei für die Renovierung und Neueinrichtung der Schulen zur Verfügung gestellt (aber nur 17 Schulen haben das Angebot zu nutzen gewußt). Und es wurde der Fahrdamm von 24 Straßen repariert, vier Straßen wurden zum ersten Mal asphaltiert (Vlahutã, Bahluiului, Titulescu, Cuza), auf weiteren Straßen in der Stadt und auf der Hohen Rinne wurde die Asphaltdecke erneuert.

Es werden die Gassen gekehrt, selbst manche Straßen in den Randvierteln, wo sich seit mindestens einem Jahrzehnt kein städtischer Besen mehr gerührt hat. Es ist eine flächendeckende Säuberung der Stadt erfolgt; nun erwartet die Verwaltung von der Bevölkerung, daß sie zum Beispiel keine Plastikflaschen mehr in den Trinkbach oder sonstwohin wirft. Ob die Hermannstädter dieser Aufforderung auch nachkommen werden, bleibt dahingestellt; aber sie haben die Bemühungen der Stadtverwaltung um mehr Sauberkeit mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, wie sich bei einer kürzlich in einer Hermannstädter rumänischen Tageszeitung veröffentlichten Umfrage herausstellte.

Außerdem wurden ein Beratungszentrum für Altbaurenovierung und eine Fremdenverkehrs-Informationsstelle eingerichtet. Der jahrelang verschlossene Ratturm ist wieder zur Besichtigung freigegeben, die Hartenecktürme und der Wehrgang zwischen ihnen werden wieder begehbar gemacht und sind nachts beleuchtet.

Das sind deutliche Anzeichen dafür, daß sich seit den letzten Kommunalwahlen einiges bei der Stadtverwaltung geändert hat. Und angesichts dessen, daß die Anordnungen des vorigen Bürgermeisters von seinen Vizes regelmäßig torpediert wurden, der Bürgermeister die Beschlüsse des Stadtrats ständig ignorierte und der Stadtrat alle Beschlußvorlagen des Bürgermeisters abschmetterte, muß der Teamgeist vermerkt werden, der jetzt im Hermannstädter Rathaus herrscht: Klaus Johannis (DFDR) und seine beiden Stellvertreter Gheorghe Tuluc (PD) und Daniel Fântânã (PNTCD) ziehen an demselben Strang und in dieselbe Richtung.

Das wurde den Hermannstädter Journalisten am vorigen Freitag klar, als sie zum hundertsten Arbeitstag des Dreiergespanns zu einer Pressekonferenz aufs Bürgermeisteramt eingeladen worden waren. Auch der 24köpfige Stadtrat steht zur Exekutive: Johannis konnte - zumindest bisher - seine Anträge mit großer Stimmenmehrheit, oft sogar mit Einstimmigkeit durchsetzen. Man spricht in der Stadt bereits von der Verwaltung Johannis, die "Administratia Johannis" wird zum Schlagwort. Von einer Administration des Amtsvorgängers Condurat hat man nie etwas gehört - geschweige denn gesehen.

Einiges wurde getan, anderes wird vorbereitet. Vize Daniel Fântânã hat an neun Firmen - nicht an eine, das hätte zu einer Monopolsituation wie bei der Verwaltung der öffentlichen Parkplätze geführt - die Rechte für Straßenwerbung vergeben. Vorbereitende Schritte wurden auch im Hinblick auf die Wiedereinführung der Straßenbahn getan: Mit der deutschen Firma Krupp Gleistechnik sind Gespräche im Gange. Noch näher liegt die Grundsteinlegung für die Sozialwohnungen in dem noch anzulegenden Reschitza-Viertel hinter dem Bahnhof. Auf der Hohen Rinne werden bis September 2001 unter anderem eine Apotheke und eine öffentliches Toilette eingerichtet.

Ganz wichtig und von zentraler Stelle auch schon zugesagt: Der Bau der Umgehungsstraße wird im Frühjahr beginnen. Ab März rollen europäische Gelder dafür. Die Umgehungsstraße - sie zweigt bei Talmesch von der Nationalstraße ab, führt zwischen Lazarettviertel und Hammersdorf, wo sie die Zibinsbrücke auf Stelzen überquert, an Hermannstadt vorbei und mündet beim Flughafen wieder in die Nationalstraße - hat im Autobahnprojekt Nadlak-Deva-Hermannstadt zusammen mit den Umgehungsstraßen für Pitesti und Mühlbach erste Priorität. Die Verkehrsministerin Anca Boagiu hat zugesagt, Anfang März die Strecke persönlich zu inspizieren, um sie zum Abstecken und Bebauen freizugeben.

Eine gute Tat der Verwaltung Johannis sei noch erwähnt: Nachdem der Kreisrat von vier bezahlten Planstellen für die Hermannstädter Bergretter eine gestrichen hatte, machte das Bürgermeisteramt seinerseits drei Stellen für die Bergwacht frei. Und eine zweite gute Tat, die den Bürgermeister aber noch viel Kopfzerbrechen kosten könnte: die Übernahme der bankrotten Fußballmannschaft Inter durch die Stadt.

Hermannstädter Zeitung Nr. 1698/13. Oktober 2000


Ganz Hermannstadt an der Bier- und Weißwurst-Front

Die Bayerischen Kulturtage haben eingeschlagen, alle Veranstaltungen sind gut besucht

Leberkäs, Schweinshaxe, Weißwurst, Brezeln, Bier. Wer neugierig auf bayerische Spezialitäten ist oder sie gerne mag, muß sich beeilen: Nur noch bis morgen abend ist das Bierzelt auf dem Großen Ring geöffnet, so lange noch, wie die Bayerischen Kulturtage in Hermannstadt dauern. Bayern und Bier, das paßt. Aber Bier und Kultur? Paßt auch. Und der das behauptete, muß es wissen: Erstens ist er Bayer, und zweitens ist er der Kulturminister aller Bayern: Hans Zehetmair. Er eröffnete die Bayerischen Kulturtage am vorigen Freitag dort, wo sich das gehört: im Brukenthalmuseum.

Nach den obligaten Reden konnte in einem Teil der barocken Räumlichkeiten, die der Baron von Brukenthal für seine Bildersammlung reserviert hatte, eine Ausstellung zeitgenössischer bayerischer Kunst besichtigt werden. Klaus von Gaffron, der Vorsitzende der Sektion Bayern des Berufsverbands der bildenden Künstler, hatte acht Künstler ausgewählt, die ihre Arbeiten - unterschiedlichster Prägung: von der Zeichnung, Malerei und Fotografie über die Bildhauerei zur Rauminszenierung - in Hermannstadt zeigen durften. Im ersten Raum wurde man begrüßt von den vier Löwenköpfen der Quadriga des Siegestores in München, doch nicht von den bronzenen Originalen, sondern von ihrer Nachformung in dem vergänglichen Material Papier. Den Ewigkeitsanspruch der Vorlage führt die Zeitlichkeit der Kopie ad absurdum.

Die in großer Zahl erschienenen Ausstellungsgäste tranken im Stehen noch einen weißen "Würzburger Stein" oder einen rumänischen Roten, ehe sie sich vor das Haus und auf den Großen Ring zur Eröffnung des dort aufgestellten original bayerischen Bierzelts begaben, wo Minister Zehetmair das erste Faß "ozapfte". Dort gab es original bayerische Schweinshaxe, original bayerischen Leberkäs, original bayerische Weißwurst mit original bayerischem Sauerkraut und original bayerischem Knödel - alles von rumänischen Fleischern geliefert oder aus rumänischen Zutaten in der Küche des Hotels "Continental" unter Aufsicht eines bayerischen Kochs hergestellt und landestypisch gewürzt. Dazu trank man original bayerisches Bier, nach Belieben hell oder dunkel, vom St. Georgen Bräu - hergestellt im rumänischen Sankt Georgen: in Sfântu Gheorghe/Sepsiszentgyörgy im Seklerland. Der Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis und noch einige andere der geladenen Gäste, darunter Bischof Christoph Klein, mußten tief ins Glas blicken: Ihnen hatte man je eine bayerische "Maß" von einem Liter Inhalt in die Hand gedrückt.

Das Bierzelt ist 25 mal 25 Meter groß, hat ein Fassungsvermögen von 700 Personen und übt eine enorme Faszination auf die Hermannstädter aus. Es ist seit seiner Eröffnung zu jeder Tageszeit gut besetzt, von 12 Uhr mittags bis zum Zapfenstreich um 23 Uhr. Das mag nicht nur am Bier und am guten Essen liegen, sondern auch an der flotten Musik, für die die zehn Mann/Frau starke "Blaskapelle Petershausen 1925" sorgt. Ganz Hermannstadt an der Weißwurst-Front? Offenbar ja. (Übrigens: Das Wort "Zapfenstreich" rührt daher, daß in den Heerlagern zu einer bestimmten Abendstunde auf ein Trommelzeichen hin die Marketender den Zapfen ihres Fasses "streichen", d. h. einschlagen mußten.)

Bayern wurde in diesen Tagen dargestellt - und stellt sich dar - als ein Land der Tradition. Man merkt das an der deftigen Hausmannskost im Bierzelt. Oder wenn man sich vor Augen führt, daß Bayern eisern an seinem Bier-Reinheitsgebot vom Jahr 1516 festhält, wonach man Bier nur aus Malz, Hopfen und Wasser brauen darf, und das andere Bundesländer längst aufgegeben haben.

Bayern ist aber auch ein Hightech-Land, wie man im Programmheft der Kulturtage nachlesen kann: Jeder zweite in der Industrie beschäftigte Bayer arbeitet in einer zukunftsorientierten Branche: der Elektronik- und Computerindustrie, der Chemie, dem Maschinen- und Fahrzeugbau - wer kennt nicht BMW? -, der Feinmechanik und Optik, der Luft- und Raumfahrttechnik. Davon war denn auch am Tag der bayerischen Wirtschaft am Mittwoch die Rede.

Bayern ist auch - nicht wahr? - das Land der Schlösser (Ludwigs II. Zuckerbäckerschloß Neuschwanstein zieht alljährlich zehntausende Touristen an), das Land der Museen, Theater und Orchester. Und Bayerns Hauptstadt München ist Deutschlands Filmmetropole: 380 Produktionsgesellschaften, 50 Filmverleih- und -vertriebsgesellschaften und 40 Fernsehbetriebe sind hier angesiedelt. Einen Einblick in die bayerische Filmszene bot die ebenfalls am vorigen Freitag abend im Pacea-Kino vom bayerischen Kulturminister Hans Zehetmaier und seinem gerade noch rechtzeitig vom rumänischen Nationentag auf der Weltausstellung in Hannover herbeigeflogenen rumänischen Kollegen, dem Theater- und Filmschauspieler Ion Caramitru, eröffnete Filmwoche.

Zu sehen gab es unter anderem eine auf einer literarischen Vorlage von Hans Magnus Enzensberger fußende Verfilmung der Liebesbeziehung des romantischen Dichters Clemens Brentano zu Auguste Bußmann ("Requiem für eine romantische Frau", die Regisseurin Dagmar Knöpfel war bei der Vorführung anwesend) oder die poetische, fast ohne Worte auskommende Geschichte eines Kindes taubstummer Eltern ("Jenseits der Stille"). Heute und morgen gibt es im Pacea-Kino noch zwei weitere Filme aus bayerischer Produktion zu sehen.

Kunst, Bier, Film - damit begannen zwar die Bayerischen Kulturtage, aber die eigentliche, die offizielle Eröffnung fand am Samstag abend statt. Es spielten im Armeehaus das Hermannstädter Philharmonische Orchester und der den Hermannstädtern spätestens seit den hier stattfindenden Carl-Filtsch-Wettbewerben bekannte 24jährige Pianist Leonhard Westermayr (er interpretierte virtuos Beethovens Klavierkonzert Nr. 5), und es hielten Ansprachen die beiden Minister Caramitru und Zehetmair. Sie erinnerten unter anderem an die Rumänischen Kulturtage in München vor einem Jahr, und der bayerische Minister versprach, zur Restaurierung von Baudenkmälern in Hermannstadt durch baldmöglichste Entsendung von Denkmalexperten (im Oktober) beitragen zu wollen. Danach gab es einen Empfang im Hotel "Continental".

Bayern hat sich in dieser Woche auf die unterschiedlichste Weise vorgestellt: das Land und seine Leute in einer Fotoausstellung im Haus des Kulturinspektorates in der Tribunei-Gasse (ehemals Arta-Kino, ehemals Bancorex), die Verlagsproduktion in einer Buchausstellung in der ASTRA-Bibliothek (darunter allein 40 neuere Titel des Südostdeutschen Kulturwerks), die zeitgenössische Kunst im Brukenthalmuseum (siehe oben), das literarische Schaffen ausschnittweise durch eine Lesung von vier Autoren (am Montag), die Volkstracht - durch Gegenüberstellung und Vergleich mit siebenbürgischen Trachten - in einer Ausstellung von Irmgard Sedler ("Lederhosen & Bockelhauben") im Franz-Binder-Museum, seine Musik durch die Auftritte mehrerer Musikgruppen: Eichhofner Dorfmusik, Fraunhofer Saitenmusik, Landes-Jugendjazzorchester.

Doch ein Kapitel bilateraler Beziehungen für sich sind die "Bayern in Siebenbürgen - Siebenbürger in Bayern". Ausgehend von einem ähnlich benannten Buch des kürzlich verstorbenen siebenbürgisch-bayerischen Verlegers und Publizisten Hans Meschendörfer ("Münchner in Siebenbürgen, Siebenbürger in München") hat die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland zusammen mit der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung München und dem Siebenbürgischen Museum Gundelsheim unter diesem Titel eine Fotoausstellung in der Lucian-Blaga-Universität eingerichtet. Darin kommt unter anderem der siebenbürgische "Raketenvater" Hermann Oberth vor, ebenso Oskar von Miller, der "Vater" des Deutschen (Technik-)Museums in München, der um die Jahrhundertwende zusammen mit dem Siebenbürger Carl Wolff das Wasserkraftwerk am Zoodt und die Einführung des elektrischen Stroms in Hermannstadt geplant hatte, und die Münchener Architekten Hocheder und Heckner mit ihren Hermannstädter Bauten, aber auch - unter "Varia" - der siebenbürgische "Naturapostel" und Hermann-Hesse-Bekannte Gusto Gräser.

Einen "siebenbürgisch-bayerischen" Künstler konnte man am Sonntag im Brukenthalmuseum in natura erleben: den Maler Heinz Schunn. Er stellt - übrigens zum ersten Mal - in seinem Geburtsland aus, und zwar Farbholzschnitte und Materialdrucke. Den 1923 in Bistritz geborenen und seit dem letzten Krieg in Deutschland lebenden Künstler stellte bei der Ausstellungseröffnung der gleichaltrige Prof. Dr. Paul Philippi vor, welcher Schunns Spielgefährte und Schulfreund in der Kindheit und Jugend in Kronstadt und später Leidensgenosse in der Kriegsgefangenschaft gewesen ist. (Horst Weber)

Hermannstädter Zeitung Nr. 1694/15. September 2000


Deutscher Bürgermeister in Hermannstadt

Deutscher Name soll Investoren nach Rumänien locken.

Nach sechzig Jahren wählt Hermannstadt wieder einen Siebenbürger Sachsen zum Bürgermeister.

Nach 60 Jahren tritt in Hermannstadt wieder ein Siebenbürger Sachse das Amt des Bürgermeisters an. In der vor 800 Jahren von deutschen Siedlern im Zentrum Rumäniens gegründeten Stadt hat der Physiklehrer Klaus Johannis bei der Kommunalwahl mit 69,17 Prozent seinen Kontrahenten von der Exkommunistischen Partei der Sozialen Demokratie (PDSR) des früheren Präsidenten Ion Iliescu besiegt. Der letzte deutsche Rathauschef der 170000-Einwohner-Stadt, die offiziell Sibiu heißt, war Albert Dörr. Er amtierte von 1940 bis 1945, zum Teil während der Zeit der Waffenbrüderschaft Rumäniens mit Nazi-Deutschland, die 1943 endete. Doch an diese peinliche Zeit mag sich heute kaum einer der 50 000 Deutschen erinnern, die trotz mehrerer Auswanderunsgwellen während des Kommunismus in Rumänien geblieben sind. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) beschäftigt jetzt eher die Frage, ob ihr 41-jähriger Repräsentant Johannis die hohen Erwartungen, die offenbar auf ihm ruhen, auch erfüllen kann. Niemand hatte mit diesem Wahlsieg gerechnet, zumal Johannis als höherer Schulrat nicht gerade vielen Hermannstädtern bekannt gewesen sein konnte.

In Johannis hatte das DFDR zum ersten Mal überhaupt einen Bürgermeisterkadidaten aufgestellt, in der Hoffnung, das dies mehr Sitze im Stadtrat bringen würde. Man ist sich bewusst, dass Johannis vor allem wegen seines deutschen Namens gewählt wurde, in der Hoffnung, dass er Vertrauen wecken und ausländische Investoren anlocken werde. Außerdem waren die Hermannstädter offensichtlich von den zehn Jahre lang amtierenden Bürgerlich-Liberalen enttäuscht, mochten aber die Exkommunisten auch nicht wählen. Das Übrige tat eine Wahlkampagne mit Gratis-Tanzveranstaltungen für die Jugend und Wahlplakaten auf denen etwa "Ein Herz für Hermannstadt" stand. Der neue Ratshauschef gibt sich selbstbewusst. Er ist entschlossen, Hermannstadt zu mehr Arbeitsplätzen durch ausländische Investitionen zu verhelfen und will die Sanierung der mittelalterlichen Stadt beschleunigen. In Hermannstadt bröckeln Wehrmauern, Basteien, Türme, gotische Kirchen und barocke Palais vor
sich hin. Jüngst konnte zum Beispiel die Altstadtstiege, ein Stufengang unter romanischen Bögen, gerade noch mit Hilfe der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) vor dem Einsturz bewahrt werden.

Zwar hat die Stadt wichtige Freunde wie den britischen Prinzen Charles, der den Ort "very poetic" nannte und versprach, sich für Geld einzusetzen. Auch das Fürstentum Luxemburg, aus dessen Gebiet die ersten Sachsen im 12. Jahrhundert nach Siebenbürgen zogen, will helfen. Die Weltbank hat Mittel zur Verfügung gestellt und die GTZ will ebenfalls mitarbeiten.

Doch all diese Angebote sind, sagt Johannis, bisher von rumänischer Seite ohne Antwort geblieben. Noch fehlen konkrete Projekte, außerdem drohen unklare Besitzverhältnisse an den alten Häusern und Palais die Renovierung hinauszuzögern. Auch der Hermannstädter Architekt Hermann Fabini, langjähriger Berater der Stadt in Sanierungsfragen, hat Zweifel, ob Johannis sich gegen die rumänische Bürokratie durchsetzen kann: "Ich glaube, das können Rumänen besser."

 SbZ - Kathrin Lauer